Bildung
Der Wert eines Menschen: mehr als ein Stück Papier

Der Wert eines Menschen: mehr als ein Stück Papier

Es ist schon eine Weile her, dass ich mich zuletzt dem Thema Bildung auf dem Blog gewidmet habe. Die Hauptthemen sind definitiv der Veganismus, zero waste und die Plastikproblematik. Trotzdem will ich heute etwas aufgreifen, dass mich bereits begleitet, seit ich mich dazu entschlossen habe mich selbstständig zu machen. Der festgefahrene Glaubenssatz, dass wir für alles ein Zertifikat brauchen und ohne nichts können und nichts wert sind. Mensch sein ohne Zeugnis

 

Deutschland: Land der Zertifikatssammler

Ich schreibe an dieser Stelle überspitzt und vielleicht sogar etwas provokant. Weil ich euch zum Nachdenken bewegen will.

Wie sieht eure Definition von einem gebildeten Menschen aus?

Die Mehrheit wird wahrscheinlich antworten: ein solcher Mensch hat Abitur und ein abgeschlossenes Studium. Am besten auch noch einen Doktortitel. Ein gebildeter Mensch verbringt möglichst viel Zeit in Bildungsinstitutionen, die ihm beim Austritt dieses Gebildet sein auf einem Stück Papier bescheinigen.

Das Sammeln dieser Zertifikate hört mit Eintritt in den Beruf nicht auf. Im Gegenteil. Der Mensch wird in Weiterbildungen immer weiter dazu genötigt Zeugnisse zu erlangen. Je mehr Titel und Abschlüsse man hat, desto besser ist das Ansehen dieser Person und (leider) oft auch das Gehalt.

Menschen werden oft dafür entlohnt, dass sie ein bestimmtes Stück Papier vorweisen können. Nicht für den tatsächlichen Wert, den sie ihren Mitmenschen liefern.

Meiner Ansicht nach ist dieses Phänomen in Deutschland besonders stark ausgeprägt. Warum sonst stecken Eltern ihre Kinder bereits im Kindergartenalter in Englisch-Kurse, in die Musikschule oder in andere Förderkurse?

Bildung in Deutschland ist gleichbedeutend mit der Erreichung von vorgegebenen Standards. Ein Blatt Papier entscheidet darüber, ob du dich gebildet nennen darfst oder nicht…

 

Entkopplung von Bildung und Geld

Es ist offensichtlich, dass Menschen, die mit vielen und mit gut bewerteten Zeugnissen ausgestattet sind, als Angestellte höhere finanzielle Entlohnungen erwarten. Ob sie dabei ihren Mitmenschen einen Mehrwert liefern, darf in vielen Fällen angezweifelt werden.

Hier sind Bildung und Geld aneinander gekoppelt.

Warum verdient ein Altenpfleger so viel weniger als ein Manager bei einem Autokonzern? Wer arbeitet mehr? Wer arbeitet härter? Und vor allem: wer von beiden liefert seinen Mitmenschen den größeren Mehrwert? Ihr dürft selbst eure Wahl treffen.

Fakt ist: der Manager hat einen höheren Bildungsabschluss und mehr Zeit in Bildungsinstitutionen verbracht. Darum bekommt er eine höhere finanzielle Entlohnung.

Meines Erachtens sollte der Mehrwert für andere Menschen einer Tätigkeit der entscheidende Faktor sein. Nach dieser Wertung müsste der Altenpfleger die höhere Entlohnung bekommen und auch das bessere Ansehen in der Gesellschaft erhalten.

Bildung und Geld müssen voneinander entkoppelt werden.

Erst dann wird ein Mensch ganz nach seiner persönlichen Leistung entlohnt werden. Doch davon sind wir in Deutschland noch meilenweit entfernt…

 

Mensch sein ohne Zeugnis?

Am schlimmsten bekommen diese Kopplung von Bildung und Geld diejenigen Menschen in Deutschland zu spüren, die aus welchen Gründen auch immer, kein oder ein schlecht bewertetes Zeugnis vorweisen können. Mensch sein ohne Zeugnis

Was ich persönlich fatal finde, ist, dass diese Menschen sich deswegen oft als Mensch an sich weniger wertvoll fühlen, sich negativ etikettieren („Ich bin dumm. Ich kann nichts…“) und auch oft sozial auffällig werden, weil sie sich eben nicht dem Standard anpassen.

Das soll jetzt keine Aufforderung zu Deliquenz oder Ähnlichem sein. Nein. Ich möchte euch vielmehr dazu anregen die Menschen komplett ohne ihren Bildungshintergrund zu betrachten. Was macht diesen Menschen wertvoll? Was kann er oder sie tatsächlich? Womit beschäftigt sich dieser Mensch freiwillig und gerne?

Für mich wird der Wert eines Menschen nicht durch ein Stück Papier festgelegt. Ich will einem Menschen so uneinvorgenommen  wie nur möglich begegnen und kennenlernen.

Und in Anbetracht dessen, dass die künstliche Intelligenz und die Robotertechnik immer weiter auf dem Vormarsch sind, werden wir uns in spätestens 20 Jahren sowieso von den meisten Berufen verabschieden müssen. Wir sollten heute schon lernen mit unseren wirklichen Interessen und Fähigkeiten, die uns niemand bescheinigen muss, unseren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Was sind eure Ansichten dazu? Macht ihr noch aktiv mit im Zertifikats-Marathon? Vielleicht seid ihr ja ins Grübeln gekommen. Lasst mir doch gerne einen Kommentar da oder teilt den Post.

Farah

 

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